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08.08.2018
VDI betont die Chancen der neuen Biotech-Werkzeuge
 

EuGH-Urteil zu CRISPR/Cas

VDI-Publikation „CRISPR/Cas & Co“ plädiert für einen interdisziplinären und öffentlichen Dialog über die Chancen und Risiken von CRISPR/Cas & Co (Bild: VDI)

VDI-Publikation „CRISPR/Cas & Co“ plädiert für einen interdisziplinären und öffentlichen Dialog über die Chancen und Risiken von CRISPR/Cas & Co (Bild: VDI)

Die EuGH-Entscheidung sorgt für Enttäuschung in Wissenschaft und Industrie: Auch Pflanzen, die mithilfe der Genschere CRISPR/Cas erzeugt wurden, fallen nun unter die strengen Auflagen des europäischen Gentechnikrechts. Es drohen Nachteile im internationalen Wettbewerb und vor allem kleinere Biotech-Unternehmen könnten hierdurch Verluste erleiden. Umwelt- und Verbraucherverbände begrüßen dagegen das Urteil. Der VDI betont aus Ingenieurperspektive die großen Chancen der CRISPR/Cas-Technik für Landwirtschaft, Medizin und Industrie und plädiert für einen interdisziplinären und konsensorientierten Dialog.
 

Die CRISPR/Cas-Methode verheißt viele innovative Anwendungen in ganz unterschiedlichen Bereichen. Beispiele sind Gentherapien gegen erblich bedingte und bisher nicht heilbare Krankheiten, die Entwicklung neuer Immuntherapien gegen Krebs sowie antivirale Strategien gegen HIV. Aber auch stark optimierte Prozesse in der Chemieindustrie sowie neue Methoden zu einer erleichterten Züchtung von Nutzpflanzen, welche die Anpassung der Agrarwirtschaft an den Klimawandel unterstützen kann. CRISPR/Cas ist einfacher, kostengünstiger und schneller zu implementieren als die vorher entwickelten Genome-Editing Werkzeuge und es ermöglicht, gleichzeitig mehrere Ziele im Genom zu adressieren (Multiplexing). Aufgrund dieser Eigenschaften hat sich die Anwendung von CRISPR/Cas in sehr kurzer Zeit in allen Bereichen der Molekularbiologie etabliert – sei es in der Therapieentwicklung, der Pflanzenforschung oder der industriellen Biotechnologie. Der VDI gibt in der Publikation „CRISPR/Cas & Co – Neue Biotech-Werkzeuge“ aus Ingenieurperspektive einen Überblick über die Chancen dieser Technologien, beleuchtet aber auch mögliche Risiken sowie gesellschaftliche, ökologische und ökonomische Implikationen.

Nach dem EuGH-Urteil sind auch durch CRISPR/Cas-erzeugte Organismen gentechnisch veränderte Organismen (GVO), die unter die Auflagen der europäischen Freisetzungsrichtlinie für gentechnisch veränderte Organismen (GVO-Richtlinie) fallen. So dass also Pflanzen, die gezielt mithilfe von CRISPR/Cas gezüchtet wurden, genauso streng reguliert werden wie Saatgut, das fremde Gene enthält. Viele Wissenschaftler hätten sich hier eine Ausnahmeregelung gewünscht, die für ältere, viel weniger genauere Mutagenese-Verfahren mittels Chemikalien oder ionisierender Strahlung nämlich gilt.

Während Wissenschaft und Industrie vom EuGH-Urteil enttäuscht sind und Nachteile im internationalen Wettbewerb und wegen der strengen Auflagen insbesondere für kleinere Unternehmen befürchten, begrüßen Umwelt- und Verbraucherverbände dagegen das Urteil, das aus ihrer Sicht eine am Vorsorgeprinzip orientierte Risikoprüfung gewährleistet.

Der VDI plädiert für einen interdisziplinären, konsensorientierten und öffentlichen Dialog – unter Einbindung von Vertretern aus Wirtschaft, Wissenschaft, Gesellschaft, Politik und Verwaltung. Ziel muss es sein, mögliche Vor- und Nachteile für Umwelt und Gesellschaft zu diskutieren sowie offene Fragen zu klären, damit der Einsatz von CRISPR/Cas & Co effizient, zukunftsorientiert und zum Wohle aller gestaltet werden kann.

 

Ihr Ansprechpartner im VDI:

Dr. Martin Follmann
VDI-Gesellschaft Technologies of Life Sciences (TLS)

VDI-Fachbereich Biotechnologie
Tel.: +49 211 6214-320
Fax: +49 211 6214-97320
E-Mail: tls@vdi.de 

 
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